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True North

2. Februar 2008 bis 13. April 2008

True North präsentiert Werke von sieben zeitgenössischen Künstlern, deren Foto- und Videokunst Bezug nimmt auf die Tradition der romantischen Landschaftsmalerei sowie auf deren Echo in der Pionierzeit der Fotografie. Im Gegensatz zu ihren romantischen Vorläufern beziehen die gezeigten Arbeiten kritische Positionen zu Geschichte und Politik und widersetzen sich dem Ideal eines unberührten, unwandelbaren Nordens. In vielen der melancholisch gestimmten Fotos und Videoprojektionen klingt der Verlust einer ursprünglichen Reinheit an. Sie beleben die angeblich unberührte Landschaft des Nordens mit menschlichen Akteuren, die die unerbittliche Natur der Region bewohnen, besiedeln oder auf andere Art zu erfahren suchen.

Wir sehen den Norden zumeist nur aus der Distanz, durch Vermittlung diverser Medien. Als Idee bietet er indessen die Chance, die Beziehung zwischen Realität und Repräsentation näher zu bestimmen. Viele der Werke in True North erforschen diese Beziehung. Sie zeigen einen Norden im Wandel, der auslöscht oder überwältigt. Als fantastischer Ort des Schreckens, der Sehnsucht, der Zuflucht, der Entdeckung, des Untergangs bietet er ein reiches Terrain für zeitgenössische Kunstprojekte, die sich mit soziokulturellen und politischen Aspekten der Kolonisierung und Umweltbelastung befassen, wie auch für ästhetische Konzeptionen des Erhabenen.

Ein Großteil der Exponate in True North entstammt der Sammlung des Solomon R. Guggenheim Museum. Ausgewählt wurden elegische Werke einer Gruppe internationaler Künstler, die an verschiedenen Orten des Nordens gelebt oder gearbeitet haben, unter anderem in Island und Kanada.

Stan Douglas (geb. 1960)
Stan Douglas behandelt in seinen Filmen und Videos geschichtliche Ereignisse, in denen sich soziale und politische Zwänge manifestieren. Die Videoinstallation Nu•tka• (1996) deckt innere Widersprüche in der Wildnis Westkanadas auf, indem sie zwei überblendete Filmaufnahmen des entlegenen Gebiets mit einer polyfonen Tonspur (Sprecher lesen u. a. Berichte zweier gegnerischer Entdecker) kombiniert. Douglas charakterisiert den Norden als Stätte eines traumatischen Verlusts, deren Landschaft von menschlichen Konflikten gezeichnet ist.

Olafur Eliasson (geb. 1967)
Olafur Eliasson ist bekannt für seine großen Installationen, die Naturphänomene im architektonischen Raum inszenieren. Er reist regelmäßig nach Island, um natürliche und von Menschenhand geschaffene Erscheinungen wie Wasserfälle, Brücken und Leuchttürme zu fotografieren. The glacier series (1999) arrangiert 42 Bilder eines Gletschermassivs, aufgenommen aus einem Propellerflugzeug, in Form eines seriellen Rasters.

Elger Esser (geb. 1967)
Elger Essers Aufnahmen von Landschaften in verschiedenen Teilen Europas akzentuieren oft deren nüchterne Strenge. In Ameland-Pier X (2000) aus der gleichnamigen Serie bleibt der fein gezeichnete Horizont das einzige wahrnehmbare Merkmal einer entmaterialisierten weißen Landschaft.


Thomas Flechtner (geb. 1961)
Thomas Flechtner hat in mehreren Werkgruppen verlassene, verschneite Gebiete der nördlichen Hemisphäre dokumentiert. Für die Serie Walks (1998–2001) zeichnete er auf Skiern Linien in die Topografie von Schneefeldern und »fror« diese strapazierende, flüchtige Performance in Fotografien mit langer Belichtungszeit ein.

Roni Horn (geb. 1955)
Roni Horn reist seit dreißig Jahren regelmäßig nach Island. Die Bewohner und die vielfältige Landschaft der Insel sind ihr eine Quelle der Inspiration. Pi (1997–1998), ein raumfüllendes Rundpanorama aus Fotografien, beschreibt mehrfache Kreisläufe, die in und um Island ablaufen: das Fernsehritual eines Paars, das sich keine Folge der Serie Guiding Light entgehen lässt, der Lebenszyklus der Eiderenten und der Wechsel von Ebbe und Flut des Nordmeers.

Armin Linke (geb. 1966)
Anhand von dicht bevölkerten und menschenleeren Orten von China bis zum Nordpol protokolliert Armin Linke das Aufeinanderprallen von Natur und Zivilisation. Ski Dome, Tokyo, Japan (1998) zeigt Skifahrer, die sich im künstlichen Norden einer inzwischen abgerissenen Skihalle am Rande Tokios vergnügen.

Orit Raff (geb. 1970)
Orit Raff hält in ihren Fotografien und Videos von Haushaltgegenständen (Seifenstücke, Badezimmerböden, Abflüsse) die Spuren der Körper der einstigen Benutzer fest. Ihre reflexive Sichtweise lässt Objekte wie karge, endlose Landschaften erscheinen. Die Darstellerin in der Videoschleife/Performance Palindrome (2001) stapelt zwanghaft Filzmatten, um sich im häuslichen Raum eines Iglus warm zu halten. Ihr vergebliches Bemühen mutet noch rätselhafter an, wenn man es mit dem Verhalten des Kojoten vergleicht, der in eingeblendeten Filmszenen gewandt durch sein eisiges Revier streift.

True North wurde von Jennifer Blessing, der Kuratorin für Fotografie des Solomon R. Guggenheim Museum in New York, organisiert. Der Katalog zur Ausstellung erscheint sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache (29 Euro). Er enthält eine Einführung von Jennifer Blessing, einen Essay von Rebecca Solnit sowie Kurzbeschreibungen der Künstler und Exponate.

Als Teil des Rahmenprogramms zu True North ist eine Gesprächsreihe mit einzelnen Künstlern geplant: Stan Douglas, Elger Esser, Thomas Flechtner und Armin Linke und Orit Raff.

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Fotomaterial zur Ausstellung
kann unter www.photo-files.de/guggenheim direkt aus dem Netz heruntergeladen werden.

Weitere Informationen
Deutsche Guggenheim
Kontakt: Julia Rosenbaum
Telefon: (030) 202093-21
Fax: (030) 202093-20
email: julia.rosenbaum@db.com
Internet: www.deutsche-guggenheim.de