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Phoebe Washburn:
Regulated Fool’s Milk Meadow

14. Juli bis 14. Oktober 2007

Vom 14. Juli bis zum 14. Oktober 2007 präsentiert das Deutsche Guggenheim die Ausstellung Phoebe Washburn: Regulated Fool’s Milk Meadow. Mit dieser Auftragsarbeit verwandelt die junge New Yorkerin den Raum Unter den Linden in ein spektakuläres Environment zwischen Werkhalle und Gewächshaus.
Als Rohstoffe für ihre Arbeiten dienen Abfälle aus Konsum und Handel, zumeist größere Mengen von Pappkartons oder Holzstücken, die Washburn bei ihren Streifzügen zwischen Containern und Laderampen sammelt und wiederverwertet. Die Überreste tagtäglicher Handlungen, die ihr der Zufall in die Hände spielt, werden im Atelier gehortet, sortiert und aufbereitet. Wertloses erhält wieder Wert. Washburn macht auf die Möglichkeiten aufmerksam, die in unbeachteten oder ausrangierten Dingen stecken. Das Recyceln von Sekundärstoffen kann als politisches Statement aufgefasst werden, als Kommentar auf die Überflussgesellschaft oder als Sinnbild (oder Symptom) heutiger Konsumgewohnheiten. Aber der Künstlerin geht es im Grunde vor allem darum, verbrauchte und vernachlässigte Materialien zu einem vitalen Ganzen zu kombinieren. Sie stapelt, bindet und zimmert abgenutzte, abgetragene, ausgediente Objekte, die Spuren ihres Vorlebens tragen, zu Environments, deren Entstehungsgeschichte sich offen vor dem Betrachter ausbreitet. Sogar Nebenprodukte wie Sägespäne oder Verpackungsstoffe bleiben Teil der endgültigen Komposition.
Regulated Fool’s Milk Meadow, Washburns Auftragswerk für das Deutsche Guggenheim, ist eine in sich geschlossene »Fabrik«, in der während der Dauer der Ausstellung die Grasmatten für den Dachbelag produziert werden. Das Förderband, das die Rasenstücke zu Beleuchtungs- und Bewässerungsstationen transportiert, bringt erstmals eine mechanische Komponente in das Schaffen der Künstlerin. Für die Pflege der Pflanzen ist ein »Gärtner« zuständig, der das Gras ansät, in einem Treibhaus keimen lässt und dann in der Fabrik aufzieht, um es schließlich auf dem Dach, ohne ausreichend Licht und Wasser, dahinwelken zu lassen. Die Installation verdeutlicht damit den Kreislauf von Regeneration und Degeneration.
In vielen ihren vorherigen Werken behalf sich Washburn mit improvisierten, amateurhaften Konstruktionsmethoden. Ihre früheren Ad-hoc-Landschaften aus zurechtgeschnittenen Karton- und Holzresten machten sich dominant im Ausstellungsraum breit. Die unterschiedliche Form und Größe der Bauelemente und der freie Umgang mit einem Ablauf, der sich organisch und intuitiv entwickeln kann, ließen Strukturen entstehen, die oft lebhaft wogende Rhythmen aufwiesen. Washburn arbeitete wiederholt mit Systemen, die jedoch nicht immer logischen Gesetzen gehorchen. Funktionsstörungen bringen neue Faktoren ins Spiel, die das System infiltrieren und in eine unerwartete Richtung steuern. In Regulated Fool’s Milk Meadow korrespondiert die Spontaneität der Architektur mit dem natürlichen Wachsen und Vergehen des Grasdachs. Dieser ästhetische Ansatz widerspricht der inhärenten Effizienz des Förderbands. Was manchem paradox erscheinen mag – hier etwa die Gegenüberstellung von organischem Wachstum und mechanischer Apparatur –, gilt Washburn als Nährboden der Kreativität. Dieselbe schelmische Unbeschwertheit spricht aus den Wort- und Lautspielen ihrer Werktitel. Im vorliegenden Fall bezieht er sich auf das regulierte System der Fabrik, das ein recht wertloses Produkt hervorbringt (»Fool’s Milk« ist vom englischen Ausdruck „fool’s gold“ abgeleitet, also „Narrengold“, einem volkstümlichen Namen für Pyrit oder Schwefelkies).


Phoebe Washburn wurde 1973 geboren und erlangte den M.F.A. an der School of Visual Arts in New York, den B.F.A. an der Tulane University in New Orleans. Ihre Arbeiten wurden in den vergangenen Jahren sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Europa ausgestellt. So zeigten u.a. die Zach Feuer Gallery (LFL), New York (2002, 2004), Rice University Art Gallery, Houston (2003), P.S.1 Contemporary Art Center, Long Island City, New York (2004), Armand Hammer Museum of Art and Cultural Center, Los Angeles (2005), sowie das Institute of Contemporary Art, Philadelphia (noch bis 5. August 2007) Einzelpräsentationen der Künstlerin. Des Weiteren wurden Arbeiten Phoebe Washburns in Gruppenausstellungen wie Greater New York 2005 am P.S.1. Contemporary Art Center (2005), The Bench in der Neuen Kunst Halle St. Gallen (2005), Make It Now: New Sculpture in New York im Sculpture Center, Long Island City, New York (2005), und in Burgeoning Geometries: Constructed Abstractions im Whitney Museum of American Art at Altria, New York (2006-07) gezeigt.
Regulated Fool’s Milk Meadow wurde von Joan Young, stellvertretende Kuratorin für Zeitgenössische Kunst und Leiterin der kuratorischen Abteilung, Solomon R. Guggenheim Museum New York, kuratiert. In Vorbereitung der Ausstellung begleitete ein Filmteam von BOOMTOWNmedia Phoebe Washburn in New York und Berlin. Daraus entstand das eindringliche Künstlerportrait About Phoebe Washburn (Buch/Regie: Moritz Wulf), welches einen detaillierten Einblick in die Arbeitsweise von Phoebe Washburn gibt. About Phoebe Washburn wird parallel zur Ausstellung im Museum zu sehen sein.
Ausstellungsbegleitend erscheint ein Katalog in Deutsch und Englisch mit Textbeiträgen von Jan Avgikos und Ben Hamper sowie einem Interview zwischen Künstlerin und Kuratorin zum Preis von 28,50 Euro. Als Edition Nr. 40 des Deutsche Guggenheim entstand RFMM Gardener Schedule Study, 20 Originalskizzen der Künstlerin, die den Ablauf der Gärtnerarbeiten während der Ausstellung dokumentieren. Zum Preis von 1.500 Euro sind diese exklusiv im Deutsche Guggenheim SHOP erhältlich.
Die Ausstellung wird von einer umfassenden Vortragsreihe sowie zahlreichen Kinder- und Jungendveranstaltungen begleitet. Kostenlose Führungen werden täglich um 18 Uhr angeboten. Die bekannten Lunch Lectures mittwochs um 13 Uhr sowie die sonntäglichen Themenführungen um 11.30 Uhr runden das Programm ab. Ausführliche Informationen entnehmen Sie bitte den beigefügten Unterlagen.

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Fotomaterial zur Ausstellung
kann unter www.photo-files.de/guggenheim direkt aus dem Netz heruntergeladen werden.

Weitere Informationen
Deutsche Guggenheim
Kontakt: Sara Bernshausen
Telefon: (030) 202093-14
Fax: (030) 202093-20
email: berlin.guggenheim@db.com
Internet: www.deutsche-guggenheim.de