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No Limits, Just Edges:
Jackson Pollock - Malerei auf Papier

29.01. - 10.04.2005

Unter dem Titel No Limits, Just Edges: Jackson Pollock – Malerei auf Papier präsentiert das Deutsche Guggenheim in Berlin vom 29. Januar bis 10. April 2005 eine in Europa nahezu unbekannte Seite des amerikanischen Malers und abstrakten Expressionisten: Pollocks zeichnerisches Werk. Mit einer retrospektiven Auswahl von circa 50 Papierarbeiten aus internationalen Sammlungen beleuchtet die Ausstellung die wichtigsten Schaffensphasen des Künstlers und dokumentiert seine zeichnerische Entwicklung von gegenständlichen, stark europäisch geprägten Anfängen bis hin zu den abstrakten Kompositionen der späteren Jahre.
Während seines kurzen, aber außergewöhnlichen künstlerischen Werdegangs hat Pollock rund siebenhundert Arbeiten auf Papier in unterschiedlichen, traditionellen Techniken geschaffen - Bleistift, Tusche, Aquarell, Gouache und Collage -, und später auch in gegossener Emailfarbe. Als er im November 1943 seine erste Einzelausstellung in der Daylight Gallery von Peggy Guggenheims Galerie Art of This Century bestritt, entschied sich der Künstler dafür, sowohl Gemälde als auch Zeichnungen zu zeigen. Diese Wahl mochte zum Teil auf praktischen Erwägungen beruht haben, da kleinere Werke rascher und leichter zu verkaufen waren. Hauptmotivation war jedoch Pollocks Überzeugung, dass seine Gemälde auf Leinwand und seine Werke auf Papier als Ausdruck seiner künstlerischen Intention gleichermaßen Beachtung verdienten. Seit dieser Ausstellung beinhaltete mindestens die Hälfte seiner Einzelpräsentationen zu Lebzeiten eine annähernd gleiche Anzahl von Gemälden und Papierarbeiten.
Die stilistische Entwicklung von Pollocks Zeichnungen entspricht grundsätzlich der seiner Gemälde. Sie lassen sich in vier Kategorien einteilen. Die erste, von ca. 1935 bis 1941 zu datierende Gruppe ist durch figurative Elemente wie menschliche Gestalten und Fantasiewesen gekennzeichnet. Sie umfasst drei komplette Skizzenbücher, die nach dem Tod des Künstlers auftauchten, und ein Konvolut von Zeichnungen, die zumeist mit der psychoanalytischen Behandlung in Verbindung stehen, der sich der Künstler unterzogen hatte, um seine Alkoholsucht zu überwinden. Die zweite eingrenzbare Gruppe bildet ein Korpus stilistisch bereits ausgereifter Werke, der zwischen 1942 und 1947 entstanden ist und zeitlich ungefähr Pollocks Verbindung mit Peggy Guggenheims Galerie Art of This Century entspricht. Diese Papierarbeiten zeichnen sich durch eine exzentrisch-skurrile Ikonographie aus, die der Künstler unter anderem als Reaktion auf die Einflüsse des Surrealismus entwickelt hatte. Aus mythischen Motiven, kalligrafischen Zeichen und einer vibrierenden, intensiven Farbpalette schuf Pollock emotional aufgeladene Gemälde und Grafiken, die das figurative Sujet beibehalten, dabei jedoch gleichzeitig die abstrakten Eigenschaften von Umgebung und Bildraum hervorheben.
Die aus dieser Verschmelzung von Abstraktion und Figuration hervorgegangene dritte Gruppe dokumentiert Pollocks künstlerischen und persönlichen Durchbruch. Sie ist in der intensiven Schaffensperiode zwischen der zweiten Hälfte des Jahres 1947 und 1950 entstanden und zeigt reine Abstraktion. Mit ihr löste sich Pollock nicht nur von der traditionellen figurativen Darstellung und Thematik, sondern wandte auch den gebräuchlichen Zeichen- und Malutensilien den Rücken zu. Statt mit Stift oder Pinsel direkt auf den unterschiedlichen Malgründen zu arbeiten, tropfte, schüttete und spritzte Pollock die Farbe nun aus einer gewissen Entfernung oberhalb der am Boden ausgebreiteten Bildfläche auf das Papier oder die Leinwand. Diese Drip-Techniken waren zwar nicht unbedingt seine eigene Erfindung, doch bleiben sie untrennbar mit seinem Namen verbunden, da er sie zu neuen Extremen vorantrieb.
Die vierte und letzte Stilgruppe charakterisiert eine weitere Verfeinerung der Tropftechnik. Die Zeichnungen sind zwar stilistisch noch auf Pollocks Gemälde aus dieser Zeit bezogen, doch während frühere Zeichnungen eine deutliche Verbindung zu größeren Leinwandformaten aufwiesen, sind diese späteren Beispiele unübersehbar Experimente, die den Auftrag flüssiger Medien auf poröses Papier erkunden. Ebenso wie die zwischen 1950 und 1952 vollendeten Leinwände zeigen diese Zeichnungen einen offenen, lichten Grund, durchsetzt mit lyrischen Kompositionen kalligrafischer Formen. In den letzten vier Lebensjahren Pollocks – er kam am 11. August 1956 bei einem Autounfall ums Leben – entstehen kaum noch Zeichnungen und entsprechend auch nur wenige Gemälde.

No Limits, Just Edges: Jackson Pollock – Malerei auf Papier wurde von Susan Davidson, Curator des Guggenheim Museum New York, kuratiert. Ausstellungs-begleitend erscheint ein gebundener Katalog in Deutsch oder Englisch mit einem Essay der Kuratorin sowie weiteren Beiträgen von David Anfam und Margaret Holben Ellis zum Preis von € 34.
Als Edition No. 30 des Deutsche Guggenheim entstand Jackson Pollock’s Pens and Papers, 2005, in einer limitierten Auflage von 350 Exemplaren, davon 50 als Vorzugsausgabe. Die Edition ist zum Preis von € 85, die Vorzugsausgabe im Schaukoffer für ca. € 240 exklusiv im MuseumsShop erhältlich.

No Limits, Just Edges: Jackson Pollock – Malerei auf Papier wird von einem umfassenden Rahmenprogramm begleitet. Zur 17. Langen Nacht der Museen am 29. Januar präsentiert das Deutsche Guggenheim um 20 Uhr und 23 Uhr im Atrium den Spielfilm Pollock, USA 2000, von Ed Harris, der den künstlerischen Werdegang des abstrakten Expressionisten biographisch nachzeichnet. Zum Themenschwerpunkt Sammeln der Langen Nacht werden von 18.30 Uhr bis 23.30 Uhr stündlich Führungen durch die Sammlung Deutsche Bank im Gebäude Unter den Linden angeboten. Die Ausstellung ist in der Langen Nacht der Museen bis 2 Uhr geöffnet.
Am 22. und 30. März 2005 spielt das Trio Nexus, Berlin, Musik des amerikanischen Komponisten Morton Feldman, der ein enger Freund Pollocks war. Musikalisch beeinflusst von Edgar Varèse, Anton von Webern und John Cage, ließ sich Feldman bei seiner Arbeit durch abstrakte Bilder von Philip Guston, Willem de Kooning, Jackson Pollock und Jasper Johns inspirieren. Am 22. März um 19 Uhr sind die Stücke Why Patterns? (1978) und Crippled Symmetry (1983) zu hören, For Philip Guston (1984) wird am 30. März, ebenfalls um 19 Uhr, aufgeführt.
Begleitet wird die Ausstellung darüber hinaus von einer Vortragsreihe zu verschiedenen Aspekten in Pollocks Werk. Am 24. Februar um 19 Uhr untersucht die Künstlerin und Autorin Olga Lewicka in ihrem Vortrag Drip’n’Draw – Entwurf und Konzept bei Jackson Pollock unter besonderer Berücksichtigung seiner Zeichnungen das Verhältnis von Spontaneität und Theorie. Jasper Sharp, Ausstellungsorganisator an der Peggy Guggenheim Collection in Venedig, spricht am 10. März um 19 Uhr in seinem Vortrag The Patron and The Painter – Peggy Guggenheim und Jackson Pollock über die besondere Beziehung zwischen der Sammlerin und dem Künstler. Beleuchtet werden die Hintergründe des großen Erfolges von Pollocks erster Einzelausstellung in Peggy Guggenheims Galerie Art of This Century sowie der gegenseitige Einfluss, den sie auf ihre jeweiligen Karrieren nahmen. Der Experte für moderne amerikanische Kunst und Co-Autor des ausstellungsbegleitenden Katalogs, David Anfam, analysiert in seinem Vortrag Jackson Pollock: Action, Art and America am 31. März um 19 Uhr das Verhältnis von Pollocks Werk u.a. zur Fotografie und Kultur der USA.
Ein besonderer Fokus des Rahmenprogramms zur Ausstellung liegt auf dem Kinder- und Familienangebot. Neben dem traditionellen Familienbrunch, der am Sonntag, dem 27. Februar um 11.30 Uhr im Deutsche Guggenheim stattfindet, wird unter dem Titel No Limits ein spezielles Programm für Kinder zwischen drei und zwölf Jahren angeboten. Am 6. und 13. Februar 2005, jeweils um 15 Uhr, sowie am 5. und 6. April 2005, jeweils um 16 Uhr, können die kleinen Kunstliebhaber die Welt von Jackson Pollocks Farben und Linien entdecken.
Kostenlose Führungen finden täglich um 18 Uhr statt. Die bekannten Lunch Lectures mittwochs um 13 Uhr sowie die sonntäglichen Themenführungen um 11.30 Uhr runden das Rahmenprogramm ab.

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Fotomaterial zur Ausstellung

kann unter www.photo-files.de/guggenheim direkt aus dem Netz heruntergeladen werden.

Weitere Informationen

Leitung: Silvie Buschmann
Telefon: 030-202093-14
Fax: 030-202093-20
email: berlin.guggenheim@db.com
Internet: www.deutsche-guggenheim.de