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Das
Deutsche Guggenheim präsentiert in seinen Ausstellungsräumen Unter
den Linden vom 24. Juli bis 17. Oktober 2004 Robert Mapplethorpe
und die klassische Tradition: Fotografien und manieristische Druckgrafik.
Mit über 120 Exponaten untersucht die Ausstellung den Dialog zwischen
dem fotografischen Werk von Robert Mapplethorpe (1946-1989) und
der klassischen Kunst, speziell in deren Überlieferung durch die
Druckgrafik des niederländischen Manierismus. Meister wie Hendrick
Goltzius, Jan Harmensz. Muller, Jacob Matham und Jan Saenredam sind
mit Kupferstichen und Holzschnitten vertreten.
Der
Manierismus war ursprünglich eine italienische Kunstströmung, die
sich nach dem Tod Raffaels 1520 entwickelte. Manieristische Druckgrafiken
entstanden in Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und in Prag.
Charakteristisch für den Manierismus sind emotionale und narrative
Elemente, die anstelle des Ideals der Hochrenaissance – Gleichgewicht
und Harmonie – eine bewegte Dynamik zeigen. Die klassische Proportion
wird aufgehoben, um einzelnen Partien mehr Gewicht zu verleihen.
Die menschliche Figur erscheint nackt, in die Länge gezogen und
mit übertriebenen Details angereichert, mit denen der Künstler seine
anatomische Virtuosität unter Beweis stellen will. Das akzentuierte
Muskelrelief wird besonders von Goltzius auf die Spitze getrieben.
Obwohl die Bildwirkung und -dramatik durch die Darstellung verzerrter
Körper gesteigert wird, bleiben Anmut und Geist Schlüsselmerkmale
der manieristischen Ästhetik, wie die Wahl mythologischer und allegorischer
Motive beweist.
Die
energie- und gefühlsgeladene Macht der Liebe und des Eros, die viele
der manieristischen Exponate durchwirkt, bestimmt auch das Schaffen
Robert Mapplethorpes. Der von immenser Leidenschaft für den menschlichen
Körper geprägte Künstler bezeichnete die Fotografie einmal als «perfekte
Methode Skulpturen zu machen». Er hat in jedem Sujet
nach der perfekten Form gesucht und seine Fotografien, die voll plastischer
Spannung sind, mit erotischer Ambivalenz aufgeladen. Das klassische
Ideal war ihm mehr als bloß poetische Inspiration; es diente ihm während
seines gesamten kurzen Lebens als ethisches Leitbild. Mapplethorpe
verbindet skulpturale Harmonie mit fotografischer Ganzheit und verwandelt
Leben und Fotografie in einen Spiegel der Kunst. Dadurch gelingt es
ihm, radikale Themen in eine kunstgeschichtlich relevante Sprache
zu fassen. Seine dem klassischen Naturalismus verpflichteten Kompositionen
sind minuziös durchgeplant. Sie bilden ein Kompendium menschlicher
Gesten, das von der Perfektion Michelangelos bis zur Eleganz des 18.
und 19. Jahrhunderts reicht. Das anatomische Formvokabular, aus dem
beispielsweise die Bildnisse der Bodybuilderin Lisa Lyons oder des
athletischen Tänzers Derrick Cross schöpfen, hat seine Wurzeln im
Altertum. Es fand ein früheres Echo in den expressiven Drucken des
16. Jahrhunderts (siehe Mullers Studien zum Raub
der Sabinerinnen oder Mathams dynamischen Apollo).
Die zweidimensionalen Exponate werden durch eine Gruppe von Skulpturen
ergänzt, die den Brückenschlag zur Antike vertiefen und Mapplethorpes
Œuvre in einen breiteren kunsthistorischen Zusammenhang stellen.
Robert Mapplethorpe und die klassische Tradition: Fotografien und
manieristische Druckgrafik
wurde
von Germano Celant, Senior Curator of Contemporary Art, Guggenheim
Museum New York, zusammen mit Arkady Ippolitov, Curator of Italian
Prints, Staatliche Ermitage St. Petersburg, kuratiert. Ausstellungsbegleitend
erscheint ein Katalog in Deutsch und Englisch mit Essays der Kuratoren
sowie einem Beitrag von Jennifer Blessing zum Preis von € 34. |
Als
Edition No. 28 des Deutsche Guggenheim entstand die diavographie
Phaeton und Thomas, 2004, nach den gleichnamigen Arbeiten
von Hendrick Goltzius und Robert Mapplethorpe in einer limitierten
Auflage von 100 Exemplaren. Die Edition ist zum Preis von €
240 exklusiv im MuseumsShop erhältlich.
Die Ausstellung wird von einem umfassenden Rahmenprogramm begleitet.
Am Samstag, dem 28. August findet in Berlin die 16. Lange Nacht
der Museen statt. Das Deutsche Guggenheim zeigt um 20 Uhr, 22 Uhr
und 24 Uhr das Theaterstück Himmel der Frauen des spanischen
Künstlers Viktor Mira im Atrium der Deutschen Bank. Parallel zu
dieser Sonderveranstaltung kann bis 2 Uhr die Ausstellung Robert
Mapplethorpe und die klassische Tradition besucht oder im MuseumsShop
in dem Sortiment der Sonderaktionen gestöbert werden.
Der
traditionelle Familienbrunch findet am Sonntag, dem 12. September,
um 11.30 Uhr, im Deutsche Guggenheim statt. Während Erwachsene zum
Thema Mit dem Licht geformte und der Linie erfühlte Körper im
Vergleich geführt
werden, entdecken die Kinder spielerisch die Ausstellung.
Der
Vortrag von Prof. Dr. Andreas Haus, Universität der Künste, fokussiert
am Mittwoch, dem 15. September, um 19 Uhr, das Thema Foto-Körper-Mythos.
Robert Mapplethorpe und die Klassische Tradition.
Mitglieder
des ensemble oktopus präsentieren am Donnerstag, dem 7. Oktober,
um 19 Uhr und 20.30 Uhr, sowie am Sonntag, dem 10. Oktober, um 15.30
Uhr und 17 Uhr, in der Ausstellung selbst ”RoMa Duos” für Saxophon
und Posaune. Inspiriert von der aktuellen Schau hat Konstantia Gourzi
Instrumental Duos aus dem 16. und 17. Jahrhundert für Saxophon und
Posaune neu komponiert.
In
Kooperation mit den Staatlichen Museen zu Berlin werden im Kupferstichkabinett
und in der Gemäldegalerie am Kulturforum Sonderführungen mit Thomas
Hoffmann zum Thema Manierismus angeboten. Nähere Informationen zu
Titel und Daten sind am Counter des Deutsche Guggenheim erhältlich.
Kostenlose Führungen werden täglich
um 18 Uhr angeboten. Die bekannten Lunch Lectures mittwochs um 13
Uhr sowie die sonntäglichen Themenführungen um 11.30 Uhr runden
das Rahmenprogramm ab.
Deutsche Guggenheim ist Partner des
und
der american season
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Fotomaterial zur Ausstellung

kann unter www.photo-files.de/guggenheim direkt aus dem Netz heruntergeladen werden.
Weitere Informationen

Leitung: Svenja Gräfin von Reichenbach
Presse: Sara Bernshausen
Telefon: 030-202093-14
Fax: 030-202093-20
email: berlin.guggenheim@db.com
Internet: www.deutsche-guggenheim.de
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