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Miwa Yanagi - Sammlung Deutsche Bank
31.01.2004 - 28.03.2004
Worin liegt das Glück, Großmutter zu sein? Mit einem jungen Mann auf dem Motorrad über die Golden Gate Bridge San Franciscos zu rasen. Als Präsidentin eines Vergnügungsparks mit Walt Disney zu konkurrieren. Auf Gräbern zu stolziern. Mit einer Schar von Kindern durch eine Schneelandschaft zu gehen. Mit der Freundin nach einer Hausparty herumzualbern. Den Enkeln zu erzählen, dass Prostitution früher verboten war. Sie sehen alt aus und benehmen sich wie junge Leute: Miwa Yanagis My Grandmothers. Die gleichnamige Fotoserie und die Reihe Elevator Girls stehen im Mittelpunkt der ersten musealen Einzelausstellung der japanischen Künstlerin in Deutschland. Vom 31. Januar bis 28. März 2004 stellt das Deutsche Guggenheim in Berlin das Werk der 1967 in Kobe geborenen Miwa Yanagi vor. Die Schau setzt die Reihe der Präsentationen mit Arbeiten aus der eigenen Sammlung der Deutschen Bank mit 21 teilweise großformatigen Fotografien in einem speziell von der Künstlerin entworfenen Ausstellungsdesign fort. Die Auswahl der Arbeiten reicht von frühen Beispielen aus dem Jahr 1994 bis zu drei neuen, erst Anfang dieses Jahres fertiggestellten Fotografien.
Miwa Yanagis Oeuvre basiert auf der Wirklichkeit und Beobachtung der japanischen Gesellschaft. Frauen, Erscheinungsbilder und Etiketten stehen im Zentrum ihrer Werke. Sie handeln von Uniformen oder Verkleidungen, von Gruppen und Zugehörigkeiten – und der Befreiung davon. Yanagi konzentriert sich auf die Lebens- und Denkweisen von Frauen und geht in ihren Recherche-Projekten und Inszenierungen deren Träumen, Wunschbildern und Erinnerungen nach. Als künstlerisches Medium setzt sie die computergestützte oder synthetische Fotografie ein. Es handelt sich um Bildsynthesen aus fotografischen Aufnahmen realer Personen mit Digital-Kamera und computergenerierten, weiterverarbeiteten Bildbestandteilen zu täuschend realen Kompositionen.
Die Serie My Grandmothers zeigt Bilder von durch Bearbeitung am Computer und per Schminkkunst gealterten Menschen, die ihren Lebenstraum szenisch darstellen. Faszinierend lesen sich die unterschiedlichen Statements neben diesen Fotografien. Es sind leidenschaftliche Plädoyers, Zukunftsvisionen einer Welt in fünfzig bis sechzig Jahren, denn Yanagi hat junge Menschen nach ihrer ganz persönlichen Vorstellung über ein im Alter erfülltes Leben befragt. Freundinnen, Bekannte oder über das Internet gefundene Akteure und auch die Künstlerin selbst erscheinen in diesen Porträts.
Die zuvor entstandene Reihe Elevator Girls zeigt identisch gekleidete, weibliche Modelle, meist in Gruppen in einer halbfiktiven, urbanen Architektur posierend, deren Anonymität und Austauschbarkeit derjenigen der Darstellerinnen entspricht. Die Fotos dieser Serie, so Miwa Yanagi, handeln „ebenso von mir wie von anderen Japanerinnen. Nach dem Universitätsabschluss habe ich als Lehrerin gearbeitet und in dieser Zeit die Serie angefangen. Damals hatte ich das starke Gefühl, ich würde nur eine Rolle in einer standardisierten Gesellschaft spielen. Ich ging einer bestimmten Arbeit in einer bestimmten Umgebung nach. Ich arbeitete nicht tatsächlich als Aufzugsmädchen, aber es kam mir so vor. Sie waren für mich ein Symbol. Sie stellten mich und meine Situation dar.“
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Ebenso wie Miwa Yanagi in den Elevator Girls die Anonymität und Entfremdung zu alptraumartigen Szenen kristallisiert, lässt sie in der My Grandmothers-Serie Wunschträume zumindest optisch zur Realität werden. So ermöglicht sie uns den Blick in die Zukunft, damit das Heute an Sinn gewinnt.
Miwa Yanagi – Sammlung Deutsche Bank wurde von Dr. Ariane Grigoteit und Friedhelm Hütte, Kuratoren der Sammlung Deutsche Bank, organisiert. Ausstellungsbegleitend erscheint ein zweisprachiger Katalog mit einem Vorwort der Kuratoren, Essays von Peter Herbstreuth und Chizuko Ueno sowie einem Gespräch zwischen Dominique Gonzalez-Foerster, Hans Ulrich Obrist und Miwa Yanagi in Deutsch und Englisch zum Preis von € 29.
Als Edition No. 26 des Deutsche Guggenheim entstand nach Vorgaben Miwa Yanagis die Reproduktion ihrer Arbeit Midnight Awakening Dream auf 600 Metern Stoff (Georgette). Die limitierte und signierte Edition ist in einer Auflage von 480 Metern zzgl 120 Metern a.p. zum Preis von € 120 pro Meter exklusiv im MuseumsShop erhältlich.
Die Ausstellung Miwa Yanagi – Sammlung Deutsche Bank begleitet ein umfassendes Rahmenprogramm. Während der 15. Langen Nacht der Museen, am Samstag, dem 31. Januar 2004, präsentiert der japanische Künstler Takehito Koganezawa mit seinen Freunden von 20 bis 24 Uhr seine Musik- und Tanz-Performance Blind Date im Atrium der Deutschen Bank.
Komachi in Sekidera heißt der Titel der japanischen Tanzperformance die am Montag, dem 2. Februar, um 18 Uhr, im Atrium der Deutschen Bank stattfindet. Der Ursprung dieses traditionellen japanischen Tanzes liegen im Noh-Theater des 13. Jahrhunderts.
Der traditionelle Familienbrunch findet am Sonntag, dem 29. Februar, um 11.30 Uhr, im Deutsche Guggenheim statt. Während Erwachsene zum Thema Strategien des Narrativen in Yanagis hyperrealen Tableaus geführt werden, entdecken die Kinder spielerisch die Welt von Miwa Yanagi.
Unter dem Titel Frauenfantasien. Zum Werk von Miwa Yanagi spricht der Katalogautor, freie Kurator und Kritiker Peter Herbstreuth am 18. März, um 19 Uhr, über Miwa Yanagis Fotografien
Kostenlose Führungen werden täglich um 18 Uhr angeboten. Die bekannten Lunch Lectures mittwochs um 13 Uhr sowie die sonntäglichen Themenführungen um 11.30 Uhr runden das Rahmenprogramm ab.
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Fotomaterial zur Ausstellung

kann unter www.photo-files.de/guggenheim direkt aus dem Netz heruntergeladen werden.
Weitere Informationen

Leitung: Svenja Gräfin von Reichenbach
Presse: Sara Bernshausen
Telefon: 030-202093-14
Fax: 030-202093-20
email: berlin.guggenheim@db.com
Internet: www.deutsche-guggenheim.de
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