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Kara Walker

Sammlung Deutsche Bank
17. Mai bis 07. Juli 2002



Mit Kara Walker - Sammlung Deutsche Bank zeigt das Deutsche Guggenheim vom 17. Mai bis 7. Juli 2002 zum ersten Mal in Deutschland eine größere Werkschau der 1969 in Kalifornien geborenen Afroamerikanerin. Die Ausstellung setzt die Reihe der von der Deutschen Bank kuratierten Präsentationen mit Arbeiten aus der eigenen Sammlung fort.
Kara Walkers Scherenschnitte und Zeichnungen verbinden Versionen der Geschichte des amerikanischen Südens mit Bildern aus ihrer persönlichen Imagination und Erfahrung. "Der Scherenschnitt ist eine fast vollkommene Lösung für ein komplexes Projekt, das ich in Angriff genommen habe: nämlich den Versuch, aufzudecken, wie Rassismus und rassistische und sexistische Stereotypen auf oft subtile und unerfreuliche Weise unser tägliches Leben beeinflussen."

Walkers Bevorzugung des Scherenschnitts erscheint besonders vor dem Hintergrund ihrer Jugend in den Südestaaten nachvollziehbar, wo diese Kunstform im 19. Jahrhundert weit verbreitet war. "Hier herrscht weiterhin die Sehnsucht nach einer romantisierten, homogenen ‚Vergangenheit'. Diese Sehnsucht hat ihre ganze frühere Aussagekraft in zweifelhaften Spielarten konserviert - in Liebesromanen, pornografischen Fantasien, Cartoons, alten Postkarten und Sammelfiguren." Doch die Künstlerin demaskiert in ihren Arbeiten diese einseitige Sicht der Geschichte. Ihre Genreszenen aus dem viktorianischen Zeitalter entpuppen sich bei näherer Betrachtung als drastische Darstellungen der Sklavenhaltergesellschaft und zugleich als Versuch aktueller Identitätsbestimmung. Die Grenzen der political correctness werden außer Kraft gesetzt. Denn Walker will provozieren: "Meine Werke sind explizit erotisch, schamlos. Ich würde es begrüssen, wenn die Besucher vor meiner Arbeit stehen und sich auch ein wenig schämen."
In ihren Projektionen, einem Zusammenspiel von an die Wand gehefteten Scherenschnitten, zeichnerischen Elementen und farbigem Licht, geht Walker sogar so weit, den Betrachter direkt in die Bildwelt zu integrieren. Durch seinen Schatten wird dieser aktiv miteinbezogen und kann sich dem Kunstwerk nicht mehr entziehen.

Kara Walker studierte am Atlanta College of Art, Atlanta/Georgia und an der Rhode Island School of Arts, Providence/Rhode Island. Ihre zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in den USA und Europa ließen sie bald international bekannt werden. 1999 wurde sie mit dem renommierten Stipendium der MacArthur Foundation ausgezeichnet und vertritt die USA 2002 auf der 25. Biennale in São Paulo. Kara Walker lebt und arbeitet in New York, wo sie auch als Professorin an der Columbia University lehrt.

Kara Walker - Sammlung Deutsche Bank zeigt Papierarbeiten und eine Projektion aus der Sammlung Deutsche Bank und Werke aus internationalen Privatkollektionen. Parallel zur Ausstellung sind im Kunstverein Hannover vom 8. Juni bis 4. August 2002 raumgreifende Szenerien mit Scherenschnitten und Lichtinstallationen der Künstlerin zu sehen.

Die Schau im Deutsche Guggenheim wurde von Dr. Ariane Grigoteit und Friedhelm Hütte, Kustoden der Sammlung Deutsche Bank, kuratiert. Der begleitende Katalog ist in Deutsch und Englisch zum Preis von € 20 erhältlich.

Angeregt von Figurensilhouetten, die in Deutschland als traditionelle Weihnachtsdekoration beliebt sind, hat Kara Walker anlässlich ihrer Ausstellung in Berlin drei papierdünne Skulpturen entworfen. Für die Edition No. 19 des Deutsche Guggenheim dienten filigrane Zeichnungen auf Papier als Vorlage. Von der Künstlerin mit der Schere ausgearbeitet, wurden ihre Vorlagen in mattschwarz lackiertes Metall umgesetzt. In einer limitierten und signierten Auflage von 100 Exemplaren sind die Figuren zum Preis von € 150 exklusiv im MuseumsShop des Deutsche Guggenheim erhältlich.
Das Rahmenprogramm zur Ausstellung eröffnet am 24. Mai 2002, um 19 Uhr, der Vortrag Schatten und Schnitte in der zeitgenössischen Kunst von Dr. Marion Ackermann. Die Kunsthistorikerin kuratierte 2001 an der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München, die Ausstellung SchattenRisse. Silhouetten und Cutouts.

Immer wieder weist Kara Walker auf zeitgenössische Literatur afroamerikanischer Autorinnen als Inspirationsquelle für ihre Arbeiten hin. Am Donnertag, dem 6. Juni 2002, um 19.30 Uhr, liest daher Eva Mattes Texte von Toni Morrison. Im vergangenen Jahr begleitete die bekannte deutsche Schauspielerin die Literaturnobelpreisträgerin auf deren Lesereise in Deutschland.
Im Rahmen des Berliner Sommerfests der Literaturen 2002 findet vom 29. Juni bis 1. Juli die Übersetzungswerkstatt Dichter trifft Dichter statt. Im Deutsche Guggenheim werden sich die Autorinnen Tanella Boni, Abidjan/Elfenbeinküste, und Ulrike Draesner, Berlin, über zeitgenössische Lyrik austauschen und am Donnerstag, dem 4. Juli 2002, um 19 Uhr, ihre Ergebnisse im Atrium der Deutschen Bank präsentieren. Die Veranstaltung ist eine Kooperation mit dem Berliner Sommerfest der Literaturen.

Tägliche Führungen um 18 Uhr und die bekannten Lunch Lectures mittwochs um 13 Uhr sowie die sonntäglichen Themenführungen um 11.30 Uhr runden das Rahmenprogramm ab.

Pressekonferenz: Donnerstag, 16. Mai 2002, 13 Uhr


Fotomaterial zur Ausstellung

kann unter www.photo-files.de/guggenheim direkt aus dem Netz heruntergeladen werden.

Weitere Informationen

Leitung: Svenja Gräfin von Reichenbach
Presse: Sara Bernshausen
Telefon: 030-202093-14
Fax: 030-202093-20
email: berlin.guggenheim@db.com
Internet: www.deutsche-guggenheim.de