|
Über das Erhabene
Mark Rothko, Yves Klein, James Turrell 07. Juli bis 07. Oktober 2001
Das Erhabene oder Sublime als Erlebnis von Unermeßlichkeit oder Überwältigung in Natur und Kunst ruft Ehrfurcht, Angst oder Verehrung hervor. Kunsthistorisch betrachtet haben Künstler vor allem die Darstellung großartiger Landschaftsszenen, nebliger aber lichterfüllter Seestücke und weiter Ausblicke als Katalysator für diese transzendentale Reaktion verwendet. Die Ausstellung "Über das Erhabene: Mark Rothko, Yves Klein, James Turrell", die vom 7. Juli bis 7. Oktober im Deutsche Guggenheim zu sehen ist, verfolgt die Idee des Sublimen im Werk von Mark Rothko, Yves Klein und James Turrell. Nicht durch abbildhafte Darstellung wie die Maler der Romantik Caspar David Friedrich und J. M. W. Turner sondern mit scheinbar simplen Kombinationen abstrahierter Farben, Licht und Raum machen Rothko, Turrell und Klein das Erhabene für den Betrachter erfahrbar.
Obwohl der Begriff des Erhabenen häufig mit der Zeit der romantischen Epoche des 19. Jahrhunderts verbunden wird, geht seine Definition bis ins erste Jahrhundert zurück. In seinem Werk "Über das Erhabene" beschrieb der Philosoph Longinus das Sublime als "Ausdruck einer großen Erfahrung", mächtig genug "Ekstase" hervorzurufen. Das Erhabene als feststehende Bezeichnung verbreitete sich jedoch erst ab 1757 durch die Publikation des Philosophen Edmund Burke "Philosophische Untersuchung über den Ursprung unserer Idee vom Erhabenen und Schönen". Laut Burke beruht die Erfahrung des Erhabenen auf panischem Schrecken und Schmerz. Für ihn ist das Sublime nicht Teil sondern Gegenteil des Schönen. Es kann ebenso mit gewaltigen Objekten oder Orten assoziiert werden. Immanuel Kant dagegen definierte 1790 in seiner wegweisenden "Kritik der Vernunft" das Erhabene als eine Vorstellung, die sich nur auf das Geistige bezieht, nicht aber auf das Objekt, das ein Gefühl der Erhabenheit vermittelt. Er führt jedoch auch aus, dass ein Objekt, welches die Grenzenlosigkeit einer Erfahrung erschließe, als erhaben gelten könne.
Mark Rothkos Arbeiten wurden von der Kritik als ein spirituelles Werk für eine weltliche Zeit bezeichnet. Seine Bilder der Fünfziger- und Sechzigerjahre vermitteln durch Größe, Raum und Licht ein Gefühl der Erhabenheit. Schicht für Schicht mit durchscheinender Farbe überzogen, scheint die Leinwand mit ihrer satten Farbigkeit durch eine innere Lichtquelle erleuchtet. Klar und verschwommen zugleich oszillieren Rothkos schwebende Quadrate zwischen Figur und Grund und erschaffen so innerhalb ihrer Komposition eine Spannung, in die sie den Betrachter miteinbeziehen.
Ebenso wie Rothko erzeugte Yves Klein mit dem Medium der Farbe den Eindruck eines unendlichen Raums. Doch Klein wollte kein Zusammenspiel verschiedener Farben, das die Komposition mit Spannung erfüllt. Unzufrieden mit der glanzlosen Qualität der verfügbaren Materialien, entwickelte Klein das "International Klein Blue", ein tiefes ultramarinfarbenes Pigment in einer Kunstharzsuspension. Dieses weckt Assoziationen an Meer und Himmel, die dem menschlichen Auge meist unendlich erscheinen. Kleins Interesse galt der emotionalen Reaktion des Betrachters auf sein "monochromes Abenteuer". Er wollte durch eine einfarbige Fläche die Leere des Raumes erfahrbar machen.
Auch in den Arbeiten James Turrells, ähnlich wie in denen Kleins und Rothkos wirkt Raum grenzenlos und überwältigend. Thema und Medium seines Werks ist jedoch das Licht. In den frühen Arbeiten, wie "Afrum I", projiziert Turrell Licht in Ecken des Raums und erzeugt dadurch scheinbar dreidimensionale Formen. Diese schwebenden Objekte - in die Fläche gezogen und sich in den Konturen auflösend - sind abhängig von der Perspektive, aus der sie wahrgenommen werden. Der Betrachter muss bereit sein, sich mit Augen und Geist auf die räumlichen Ambivalenzen und die Schwankungen zwischen Zwei- und Dreidimensionalität einzulassen. Turrell schafft kein Abbild des Erhabenen sondern eine erhabene Erfahrung für die Betrachtenden.
|
Die Arbeiten von Rothko, Klein und Turrell haben unser Verständnis des Erhabenen maßgeblich beeinflusst, indem sie die visuellen Definitionen des Sublimen im 20. Jahrhundert erweiterten. Durch ihre Auseinandersetzung mit Raum, Farbe, Licht und Wahrnehmung lassen sie uns unser Verhältnis zur Außenwelt und zu unserer Psyche neu überdenken.
In "Über das Erhabene: Mark Rothko, Yves Klein, James Turrell" ergänzen bedeutende Leihgaben von Museen und Privatsammlern aus Europa und Amerika Werke aus der Sammlung des Guggenheim Museums in New York und ermöglichen so eine thematische Präsentation zeitgenössischer Kunst.
Die Ausstellung wurde von Tracey Bashkoff, Kuratorin des Solomon R. Guggenheim Museums, organisiert. Es erscheint ein Katalog mit Abbildungen aller Exponate sowie Essays von Tracey Bashkoff, Thomas McEvilley, Frances Richard und Robert Rosenblum in Deutsch und Englisch zum Preis von EURO 25,05/DM 49.
Anläßlich der Ausstellung "Über das Erhabene" entstand das "Yves Klein Hemd" als Edition No. 16. Mit seinem selbst entworfen und bemalten Sommerhemd machte Klein 1948 auf Capri Furore. Dank der Unterstützung des Yves Klein Archivs, Paris, war die Reproduktion des Naturleinenhemdes in einer limitierten Auflage von 250 Exemplaren möglich. Das "Yves Klein Hemd" ist nun zum Preis von EURO 250/ DM 488,96 exklusiv im MuseumsShop des Deutsche Guggenheim erhältlich.
Das Rahmenprogramm wird durch die 10. Lange Nacht der Museen in Berlin eröffnet. Am Samstag, dem 25. August 2001, bleibt die Ausstellung bis 2 Uhr geöffnet. Unter den Titel "Über das Erhabene" bieten Tanzperformances und sphärische Klänge im Atrium eine thematische Ergänzung zur Ausstellung.
Der Architekt Oliver Kühn, Gewers Kühn & Kühn, stellt in seinem Vortrag "The Alchemy of Art and Architecture" am Donnerstag, dem 6. September 2001, um 19 Uhr, James Turrells ortspezifische Projekte vor.
Unter dem Titel "Tropen - Über das Erhabene" veröffentlichte Raoul Schrott 1998 seinen Lyrikband. Donnerstag, den 13. September 2001, um 20 Uhr, wird der Autor über das Majestätische und das Chaos, die Natur und die Kunst beziehungsweise ihr vereinendes Element, das Erhabene, lesen.
Am 20. und 21. September 2001, jeweils um 20 Uhr, präsentiert das Deutsche Guggenheim in einer Kooperation mit dem Theater am Halleschen Ufer die Choreographin Anna Huber mit ihrer Solo-Tanzperformance "unsichtbarst" im Atrium der Deutschen Bank.
Der traditionelle Familienbrunch für Groß und Klein findet am Sonntag, dem 26. September 2001, um 11.30 Uhr, statt.
Einen weiteren kunsthistorischen Akzent setzt der Vortrag "Gewaltig leer: Zum Erhabenen in Kunst und Theorie im 18. und 19. Jahrhundert" von Professor Dr. Werner Busch, Freie Universität Berlin, am Mittwoch, dem 26. September 2001, um 19 Uhr.
Im Rahmen der .kunstherbst-nacht öffnen die Berliner Kunstinstitutionen mit Schwerpunkt auf zeitgenössischer Kunst am Samstag, dem 6. Oktober 2001, unter dem Motto "art in motion" ihre Einrichtungen bis 21 Uhr.
Deutsche Guggenheim ist Partner des .kunstherbst berlin
Pressekonferenz: Freitag, 6. Juli 2001, 11 Uhr
Fotomaterial zur Ausstellung

kann unter www.photo-files.de/guggenheim direkt aus dem Netz heruntergeladen werden.
Weitere Informationen

Leitung: Svenja Gräfin von Reichenbach
Presse: Sara Bernshausen
Telefon: 030-202093-14
Fax: 030-202093-20
email: berlin.guggenheim@db.com
Internet: www.deutsche-guggenheim.de
|