|
Jeff Koons
Easyfun - Ethereal 27. Oktober 2000 bis 14. Januar 2001
Jeff Koons zählt zu jener Künstlergeneration, die sich seit Mitte der achtziger Jahre mit der Bedeutung der Kunst in einer Zeit medialer Übersättigung und der damit einhergehenden Krise ihrer Darstellung auseinandersetzt. Das Deutsche Guggenheim präsentiert unter dem Titel Jeff Koons: Easyfun - Ethereal vom 27. Oktober 2000 bis 14. Januar 2001 sieben neue großformatige Gemälde des New Yorker Künstlers.
Die visuelle Sprache der Werbung und der Unterhaltungsindustrie nutzt Jeff Koons, um "mit den Massen zu kommunizieren". Mit in Plexiglas verkleideten Staubsaugern, in Aquarien schwebenden Basketbällen und mit seinen porzellangewordenen Huldigungen an Michael Jackson und Pink Panther testet er in seinen Skulpturen die Grenzen zwischen "high" und "low culture". Koons integriert Referenzen an die jüngere Geschichte des Minimalismus und Pop und inszeniert Kunst als Ware, die sich nicht in die Hierarchie der konventionellen Ästhetik einbetten lässt. Er untersucht den Kollaps von Kunst und Sprache und strebt ein populistisches Idiom an.
Bei Easyfun-Ethereal, Jeff Koons' neuer Serie von Auftragsarbeiten für das Deutsche Guggenheim, geht es um "food, fun and fashion": Riesige Schokoladenkringel, lachende Deli-Sandwiches, grell geschminkte Lippen und leuchtende Haarfarben verbinden sich mit spiralförmigen Achterbahnen und verspielten Halloweenkostümen zu bisher ungesehenen Bildwelten. Koons verwendet computergenerierte Reproduktionen aus den Medien und verbindet vertraute, nicht unbedingt verwandte Bilder, um collageähnliche Gemälde von photorealistischer Perfektion zu schaffen. Die Arbeiten erinnern an die Ikonographie der Werbung und die Technik der Plakatmalerei wie sie z.B. die Pop Art Bilder James Rosenquists zeigen. Im Vergleich dazu strahlen Koons' Arbeiten jedoch eine exzessive und überschwängliche Stimmung aus. Er komprimiert das Bildliche im Vordergrund des Werkes und behandelt seine Motive als bewußt flache und opake Bilder, die sich jeder spezifischen Sozialkritik oder psychologischen Interpretation entziehen. Stattdessen betonen sie den totalen Selbstbezug und verherrlichen sowohl sexuelles Verlangen und Attitüden der Erwachsenenwelt, als auch den unstillbaren kindlichen Wunsch nach Vergnügen.
Obwohl Koons' Bilder von vertrauten Motiven unserer Konsumwelt unübersehbar überladen sind, ist es nicht der Kitsch der Koons in erster Linie interessiert. So hat er in einem Interview bezugnehmend auf die erste Werkgruppe Easyfun von 1999 festgestellt: "Ich arbeite mit Dingen, die manchmal als Kitsch bezeichnet werden, obgleich mich Kitsch an sich nie interessiert hat. Ich versuche immer, dem Betrachter Selbstvertrauen, eine gewisse innere Sicherheit zu vermitteln. Bei meiner Arbeit geht es mir vor allen Dingen um den Betrachter".
Koons' Arbeiten sind von Elementen des Barock durchdrungen. Die spiralförmigen, dynamischen Bildmotive sollen den Betrachter anziehen, Optimismus wecken. In seine neue Serie läßt Koons auf geschickte Weise auch andere kunsthistorische Bezüge, insbesondere des Surrealismus und Abstrakten Expressionismus, einfließen. Eine derartige, zunächst widersprüchlich erscheinende Synthese, zeigt z. B. die Arbeit Lips. Die körperlosen vollen Lippen und das freischwebende, dichtbewimperte Auge erinnern an die Bilder von René Magritte, Max Ernst und Salvador Dalí, während die sie umgebenden Saftspritzer und Kleckse auf die Abstraktionen eines Jackson Pollock verweisen. Bei einem anderen Bild bezieht sich Koons direkt auf diesen Künstler. Der Titel Blue Poles bezeichnet zwar auch die Stützpfeiler einer Achterbahn, ist jedoch eigentlich einer späten Arbeit dieses Klassikers der Moderne entlehnt. In Easyfun-Ethereal verbindet Koons Vergangenheit und Gegenwart, indem er die neue Technologie computergenerierter Bilder verwendet und gleichzeitig verschiedene Strömungen der Kunstgeschichte in Erinnerung ruft. Motive des alltäglichen Konsums vereinen sich in seinen Bildern mit surrealen und abstrakten Anspielungen zu schwerelosen Formen und träumerischem Vergnügen.
|
Jeff Koons' Werke wurden in zahlreichen Ausstellungen in den USA und Europa gezeigt, so etwa in der 1992/93 vom San Francisco Museum of Modern Art und dem Stedelijk Museum Amsterdam organisierten Retrospektive, die auch in der Staatsgalerie Stuttgart zu sehen war. Im Februar diesen Jahres errichtete Koons mit Balloon Flower eine neue, hochglänzende Edelstahlskulptur am Potsdamer Platz in Berlin, im Mai folgte mit Split-Rocker eine weitere Arbeit in Avignon. Seine 1992 geschaffene blühende Hundeplastik Puppy steht seit 1997 vor dem Guggenheim Museum in Bilbao und seit Juni 2000 auch vor dem Rockefeller Center in New York.
Die Ausstellung wurde von Lisa Dennison, Chief Curator und stellvertretende Direktorin, Solomon R. Guggenheim Museum, und Robert Rosenblum, Stephen Swid Curator of Contemporary Art, Solomon R. Guggenheim Museum, kuratiert. Es erscheint ein Katalog in Deutsch oder Englisch zum Preis von DM 59,--.
Gemeinsam mit dem Künstler wird als Edition No. 13 des Deutsche Guggenheim ein Paddle-Ball-Game realisiert. Das aus Holz gearbeitete Geschicklichkeitsspiel ist mit seinem Rentiermotiv als Weihnachtsgeschenk besonders geeignet. Hundert der auf tausend Stück limitierten Auflage werden vom Künstler signiert und sind exklusiv im MuseumsShop zum Preis von DM 900,-- erhältlich.
Das Rahmenprogramm wird durch den Koons-Experten und Co-Kurator Robert Rosenblum eingeleitet. Sein Vortrag "Jeff Koons: An Art Historian's View" findet am Freitag, dem 27. Oktober 2000, um 20 Uhr in englischer Sprache statt.
"Kunst, ein Wochenende Kunst. Die Kneipe und das Atelier, die Galerie und die Gebückten....." - mit seinem Theaterstück "Jeff Koons" erregte der deutsche Literat Rainald Goetz 1999 in Hamburg aufsehen. Für das Deutsche Guggenheim wird der Autor, der sonst kaum für Lesungen zur Verfügung steht, am Mittwoch, dem 8. November, um 20 Uhr, aus seinem Drama vortragen.
Die Zusammenarbeit mit anderen Berliner Institutionen war für das Deutsche Guggenheim von Beginn an programmatisch. Im Rahmen der 14. Jüdischen Kulturtage Berlin, die in diesem Jahr unter dem Schwerpunkt "Italien" stehen, wird Philip Rylands, Direktor der Peggy Guggenheim Collection in Venedig, am Samstag, dem 18. November, 19.30 Uhr, unter dem Titel "Peggy Guggenheim - Patroness of the Avant-Garde" einen Vortrag über die legendäre Sammlerin halten. Anschließend wird die Peggy-Guggenheim-Nacht mit Musik und Wein im Atrium der Deutschen Bank ausklingen; eine Zusammenarbeit zwischen Deutsche Guggenheim und den 14. Jüdischen Kulturtagen Berlin.
Der mittlerweile traditionelle Familienbrunch im Deutsche Guggenheim für Groß und Klein am Sonntag, dem 10. Dezember 2000, um 11.30 Uhr, rundet das Rahmenprogramm ab.
Deutsche Guggenheim ist Partner des .Kunstherbst Berlin
Pressekonferenz: Donnerstag, den 26.10.2000, 11.30 Uhr
Fotomaterial zur Ausstellung

kann unter www.photo-files.de/guggenheim direkt aus dem Netz heruntergeladen werden.
Weitere Informationen

Leitung: Svenja Gräfin von Reichenbach
Presse: Sara Bernshausen
Telefon: 030-202093-14
Fax: 030-202093-20
email: berlin.guggenheim@db.com
Internet: www.deutsche-guggenheim.de
|