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Vom 28. Oktober 2009 bis zum 6. Januar 2010 präsentiert das Deutsche Guggenheim den Bilderzyklus Grey Area von Julie Mehretu, der als fünfzehnte Auftragsarbeit für die Ausstellungshalle Unter den Linden entstand.
In den neuen Gemälden der amerikanischen Künstlerin spielen Berlin als urbane Erfahrung und Erkundung von Erinnerung eine signifikante Rolle. Als auslösendes Moment erwies sich ein Aufenthalt der Malerin an der American Academy Berlin im Jahr 2007. Mehretu erlebte eine Stadt, die auch nach Jahrzehnten der Erneuerung noch sichtbare Schäden und Narben des Krieges trägt. Auf Spuren des zweiten Weltkrieges verweist auch die Arbeit Atlantic Wall (2008–2009), die einen Blick in die Bunker des deutschen Atlantikwalls wirft. Aber auch gegenwärtige Konflikte in Afghanistan oder im Irak finden ihren Wiederhall. Das Gemälde Believer’s Palace (2008–2009) zeigt den teilweise zerstörten Palast über Saddam Husseins Bunker in Bagdad.
Der Ausdruck „grey area“ (Grauzone) bezeichnet einen unbestimmten Zustand, ein Übergangs¬stadium, in dem etwas noch nicht klar definiert ist oder auch gar nicht definiert werden kann. Julie Mehretu nutzt solche rätselhaften Zustände als Mittel, um den Betrachter in ihre komplexen Kompositionen aus akribisch ausgeführten Architektur¬¬zeichnungen, gestischen Markierungen und farbigen Einsprengseln hineinzuziehen. Ob sie bestimmte Orte (Berliner Plätze, 2008–2009) oder eher unspezifisch urbane Befindlichkeit (Fragment, 2008–2009) abbilden, Mehretus Gemälde untersuchen die Psychogeografie der Stadt und den Einfluss der gebauten Umwelt auf das Individuum. Sie reflektieren zugleich die Vergangenheit und die noch verbliebenen Spuren gelebter Geschichte.
Da Mehretu ihre Zeichen in Schichten aufträgt, verwischt und wieder auslöscht, scheinen sich die Strukturen auf der Leinwand aufzulösen wie eine verblassende Erinnerung. Wie im Titel des Gemäldes Middle Grey (2007–2009) angedeutet, das den Mittelwert zwischen den beiden Extremen Schwarz und Weiß bezeichnet, befinden sich die Kompositionen häufig an einem Wendepunkt, an dem sie entweder immer dichter und unergründlicher werden oder sich fast in einer ätherischen Wolke aus Staub auflösen. Dennoch eröffnen alle Gemälde Mehretus einen immensen Bildraum, nicht nur durch die übereinandergelegten Schichten, sondern auch durch die in ihnen eingeschlossenen Kontraste. Über feste Formen und präzise Linien fegt ein frenetischer Wirbel von Pinselstrichen hinweg. Diese Gesten in schwarzer Acrylfarbe können fein ausgearbeitet sein oder locker wie das hastige Gekritzel in Notations (2009).
Der Titel des Gemäldes Plover’s Wing (2009) spiegelt unseren Dialog mit Mehretus Kunst in einer poetischen Metapher. Der „Plover“, der Regenpfeifer, gibt vor, einen gebrochenen Flügel zu haben, nur um seinen Jägern leichte Beute vorzutäuschen und sie so von seinen Jungen wegzulocken. Ähnlich irreführend ist der erste Eindruck von den Bildern der Künstlerin. Was aus der Entfernung abstrakt erscheint, entpuppt sich aus der Nähe als Liniengeflecht detaillierter Zeichnungen. Doch gerade in dem Moment, in dem das Auge einen Anhaltspunkt zu finden scheint, entschwindet das Werk ins Ungewisse und zwingt den Betrachter, wieder und wieder und wieder hinzusehen.
Julie Mehretu: Grey Area wurde von Joan Young, Associate Curator of Contemporary Art am Solomon R. Guggenheim Museum in New York, organisiert. Ein Katalog erscheint in Deutsch und Englisch mit Textbeiträgen von Joan Young und Brian Dillon zum Preis von € 29.
Als Edition Nr. 49 entstand die Kaltnadelradierung Ohne Titel (Grey Area), 2009, in einer limitierten und signierten Auflage von 40 Exemplaren/ 15 A.P. Diese ist exklusiv im Deutsche Guggenheim SHOP erhältlich.
Gemeinsam mit Joan Young erläutert Julie Mehretu am 29. Oktober, um 19 Uhr, ihre neuen Arbeiten für das Deutsche Guggenheim.
Bezogen auf Mehretus Gemäldezyklus entstand die Auftragskomposition Exposition des Berliner Komponisten Jochen Neurath, welche am 27. November, um 19 Uhr, in der Ausstellungshalle des Deutsche Guggenheim uraufgeführt wird.
Am 19. November, um 19 Uhr, hält die Kulturjournalistin Magdalena Kröner zum Thema „Tektonik des Erinnerns – zur Arbeit von Julie Mehretu“ einen Vortrag.
Täglich um 18 Uhr finden kostenlose Führungen statt. Die beliebten Lunch Lectures, mittwochs um 13 Uhr, die bewährten Brunch Lectures, die sich sonntags um 11.30 Uhr jeweils mit einem spezifischen Aspekt der Ausstellung befassen, sowie die „I like Mondays“ Lectures, immer montags von 11 bis 14 Uhr und 16 bis 19 Uhr, runden die Spannbreite an möglichen Begegnungen mit der Kunst ab. Detaillierte Informationen finden Sie in den beigefügten Unterlagen.
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» Pressemitteilung Deutsche Guggenheim Julie Mehretu: Grey Area (.pdf)
» factsheet downloaden (.pdf)
Fotomaterial zur Ausstellung

kann unter www.photo-files.de/guggenheim direkt aus dem Netz heruntergeladen werden.
Weitere Informationen

Deutsche Guggenheim
Kontakt: Sara Bernshausen
Telefon: (030) 202093-14
Fax: (030) 202093-20
email: sara.bernshausen@db.com
Internet: www.deutsche-guggenheim.de
Deutsche Bank Kunst
Kontakt: Britta Färber
Telefon: +49 (69) 910-35960
Email: britta.faerber@db.com
Internet: www.db-artmag.com
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